IBM-Zahlen enthüllen die Wahrheit über den Cloud-Markt

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Das Segment „Systems and Technology“ hatte im vierten Quartal mit Umsatzrückgängen von 26 Prozent zu kämpfen. Das Wort Rückgang ist hier aber eigentlich viel zu harmlos. Desaster, Fiasko oder Waterloo wären wohl passendere Vokabeln. Das Geschäft mit der Hardware löst sich gerade in rasender Geschwindigkeit in Luft auf. Insbesondere das mit Servern. System Z (Mainframe): minus 37 Prozent. Power Systems: minus 31 Prozent. System X: minus 16 Prozent. Der Bereich Storage war mit einem Rückgang von 13 Prozent sozusagen noch eine Stütze des Segments.

Die Cloud ist doppelt verantwortlich für dieses Dilemma. Zum einen kaufen Endanwender immer weniger Hardware und setzen mehr und mehr auf Cloud- und Hosting-Modelle. Und zum anderen neigen die großen Anbieter von Cloud-Services dazu, ihre eigenen Architekturen zu nutzen und teils sogar eigene Hardware produzieren zu lassen, was für die traditionellen Infrastrukturanbieter wie IBM weitere Geschäftseinbußen bedeutet.

Cloud Umsatz wächst überproportional

Auf der anderen Seite hat IBM es fertiggebracht, den Umsatz im Bereich Cloud Computing um 69 Prozent auf rund 4,4 Milliarden US-Dollar zu steigern, was ungefähr doppelt so schnell ist wie das Wachstum des Gesamtmarktes. Und dennoch reicht es offensichtlich nicht aus, das zu kompensieren, was an anderer Stelle verloren geht.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Ankündigung zu bewerten 1,2 Milliarden Dollar in diesen Bereich zu investieren. Bei der derzeitigen Geschwindigkeit, mit denen sich die Märkte und Umsätze verschieben, stellt sich allerdings die Frage, ob das hinreichend ist.

Wer hätte das gedacht. In einer ersten Überlegung müsste man davon ausgehen, dass das sich Cloud-Geschäft angesichts des NSA-Skandals schleppend entwickelt. Das Gegenteil ist jedoch der Fall – das Wachstum ist überproportional hoch. Auch Microsoft gab unlängst bekannt, dass  Office aus der Cloud (Office 365) ein Bestseller mit unglaublichen Wachstumsraten sei.

Der deutsche Oracle-Statthalter Jürgen Kunz lieferte mir bei einem gemeinsamen Abendessen eine gute Begründung dafür, warum der NSA-Skandal das Geschäft mit Cloud-Lösungen keineswegs dämpft. Die Cloud sei für Unternehmen ein reines Technologiethema. Und da die Technologie als solche nachweislich gut funktioniere, würde sie gekauft werden. Das damit verbundene Sicherheitsbedürfnis eines Unternehmens sei ein reines Governance-Thema und wirke sich deshalb nicht negativ auf das Cloud-Geschäft aus.

Je länger ich darüber nachdenke, desto plausibler erscheint mir seine Erklärung.