TV-Herstellern gehen die Ideen aus

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Trefflicher Kommentar von Farhad Manjoo vom WSJ zum Hype um gebogene Fernseher und Ultra-HD:

Stattdessen sollten Fernseher jetzt gebogen sein, sagen die Tech-Experten bei der CES. Fernsehschauen ist dann so, als spielten sich die Bilder auf einer Halfpipe ab. Und das sei dann besser, sagen die Hersteller.

Auf einem gebogenen Fernseher hören sich die Teilnehmer des Dschungelcamps wie Einstein an und MTV spielt wieder Musikvideos.

Halt, das stimmt ja gar nicht.

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Anstatt die echten Probleme der Fernsehgeräte zu lösen, versuchen Hersteller ihre Gewinne mit anderen Extras anzuheben. 3D zum Beispiel wurde jahrelang mit viel Leidenschaft angepriesen. Doch der Erfolg stellte sich nie ein. Die Brillen waren unpraktisch, manche Menschen bekamen vom Zuschauen Kopfschmerzen, und es war nicht besonders interessant, da es nur wenige Inhalte gab.

Dieses Jahr ist 3D bei der CES kaum mehr zu sehen. Der Hersteller Vizio hat die Technologie sogar komplett aus dem Programm genommen, andere reden kaum noch davon.

Dieses Jahr dreht sich alles um Ultra-HD-Fernseher, die auch 4K-Geräte genannt werden.

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4K steht jedoch vor demselben Problem wie 3D: Bis ausreichend viele Leute 4K-Fernseher kaufen, haben Unterhaltungsfirmen keinen Grund, 4K-Inhalte zu produzieren. Doch ohne Inhalte gibt es keinen Grund, die 4K-Fernseher zu kaufen.

Kaufen Sie sich einen billigen Fernseher

Fasst man all das zusammen, kann man zumindest diesen Rat erteilen: Kaufen Sie sich einen billigen Fernseher – das schrieb auch John Herrman jüngst bei BuzzFeed. Die TV-Hersteller sind so effizient geworden, dass sie wirklich gute Geräte für wenig Geld hinbekommen. Und ein Fernseher muss nicht viel mehr haben als einen guten Bildschirm, denn Internet-Streaming-Dienste lassen sich viel besser über Geräte wie Apple TV, Google Chromecast, Roku und Videospielekonsolen wie Xbox und Playstation empfangen.

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Die TV-Hersteller werden diesen Rat nicht gerne hören. Aber so funktioniert die Branche eben. Wie auch PC-Hersteller leiden sie unter der immer größeren Effizienz der globalen Elektronik-Herstellung. Keiner kommt dagegen an. (Deshalb bezweifle ich auch, dass es je ein Fernsehgerät von Apple geben wird.)